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Weltmeister Brasilien: Eine fußballfreie Blogreihe

Jenseits der WM: Warum Brasilien in der ersten Reise-Liga spielt

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien rückt näher. Halt, nicht gleich wegklicken … Denn egal, ob Sie Fußball mögen oder nicht, die Spiele verfolgen oder lieber ein Alternativprogramm wählen, es lohnt sich, sich mit dem flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößten Staat der Erde ein wenig näher zu befassen.

Ich werde an dieser Stelle in den nächsten Wochen immer wieder kleine Beiträge rund um Brasilien posten. Denn so eine WM ist für ein Land Gelegenheit, sich zu zeigen, eine Menge Blicke auf sich zu ziehen – und natürlich auch Reisende anzulocken. Dabei muss dieses Land aber auch damit rechnen, dass der interessierte Zuschauer gerne auch hinter die Kulissen blickt, wo es nicht nur repräsentative Seiten zu entdecken gibt.

Wer den Fernseher einschaltet, erhält einen Eindruck von dem, was Brasilien sein soll, gratis: Farbenfrohe Trailer, die mit Sonne, Strand und Meer werben, mit tanzenden, gut gelaunten, lebenslustigen und sportlichen Menschen: PR für ein Land, das zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften zählt. Man erwartet, dass es 2015 die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt sein wird. Die Tatsache, dass es in Brasilien aber auch sehr viele, sehr arme Menschen gibt (Stichwort: Favelas), bleibt dabei gerne unerwähnt.

Aber es werden auch viele informative Beiträge gesendet, die sich abseits des Fußball-Spektakels mit den Sorgen und Nöten des Landes befassen. Ganz vorne, weil kaum zu übersehen, die immer wieder aufkeimenden und leider eskalierenden Demonstrationen, mit denen viele Brasilianer gegen die enormen Kosten der WM protestieren und sich über die „Herrschaft der FIFA“ in ihrem Land beschweren. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, Geld in die Prestigeobjekte WM 2014 und Olympische Spiele 2016 zu stecken, wichtige andere Aufgaben wie Bildung und Gesundheit aber zu vernachlässigen. Zuletzt sind sogar – sehr medienwirksam, denn es wurden tolle Fotos veröffentlicht – 500 Ureinwohner in traditioneller Kleidung, mit Kriegsbemalung und Federschmuck mit Pfeil und Bogen gegen die mit Schlagstöcken und Helmen ausgestatteten Polizisten aufmarschiert.

Im Fokus der ganzen Welt zu stehen, ist also auch ihre Chance, auf Missstände hinzuweisen, und vielleicht so die Regierung unter Druck zu setzen. Während die Ureinwohner vor allem gegen die Verkleinerung ihrer angestammten Gebiete auf die Straße gehen, hat der Großteil der Demonstranten sowohl das Gesundheits- als auch das Bildungssystem im Kopf. Denn beide gelten in Brasilien als veraltet und schaffen Ungerechtigkeit zwischen Armen und Reichen, die zusätzlich private Krankenversicherungen abschließen und ihre Kinder auf private Schulen schicken können.

Brasilien ist mit mehr als 192 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat in Südamerika. Er nimmt fast 50 Prozent der Fläche des Kontinents ein. Doch wer hätte es gedacht: Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und als Wirtschaftsfaktor auf alle Fälle ausbaubar. (Wikipedia sagt: Auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6.) Jährlich reisen etwa 5 Millionen Menschen nach Brasilien, vor allem wegen der berühmten Strände und dem legendären Karneval von Rio de Janeiro. Aber auch die architektonisch spannende Hauptstadt Brasília, das artenreiche Amazonasbecken und die Wasserfälle von Iguaçu sind beliebte Reiseziele. Europäer entdecken immer mehr den Nordosten, der mit einer reichen Natur, Kultur und tollen Stränden lockt.

Deshalb nehmen wir von América Andina die Fußball-WM zum Anlass, ein paar Bälle ins Spiel zu bringen, mit denen Brasilien punktet: Orte wie das Öko-Paradies Fernando de Noronha zum Beispiel, das ich morgen vorstellen werde …

05.06.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Brasilien Fahne
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