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Von Prinzipienreitern, kleinen Sünden und genießerischer Ruhe

Zwischenstand nach einer Woche Süßigkeiten- und Smartphone-Fasten

So. Eine Woche fasten ist um – ein Glück 😉 Wie viele Tage sind es jetzt noch? 33? Seufz…

Also, während meine Standhaftigkeit, die Finger von Süßigkeiten zu lassen, ganz schön auf die Probe gestellt wurde, habe ich jetzt in der Familie einen kleinen Prinzipien-Reiter entdeckt. Mein Sohn (7) hat mir nicht nur auf alle Schranktüren, hinter denen ich Süßes gebunkert haben könnte, Post-Its geklebt mit „Naschen tabu“. Nein, er selbst hat beschlossen, bis Ostern weder Fleisch noch Wurst zu essen. Und während ich beim Elternabend in der Kita die Schüsselchen mit Leckereien schmerzhaft weit von mir schiebe, legt er sich ganz selbstverständlich Käse auf seine Abendbrot-Stulle und nochmal Käse auf sein Schulbrot… „In Gummibärchen ist doch Gelatine, oder?“, fragt er mich heute Morgen und erklärt, dass er fortan auch darauf verzichten will. Also, von mir hat er das nicht!

Zum Glück ist meine Tochter (3) da anders. Ich: „Möchtest Du Salami?“ Sie: „Auf Salami verzichte ich. Ich will Leberwurst…“

Jetzt kommt mein Geständnis: Noch keine 3 Tage Fastenzeit waren vergangen, da musste ich einkaufen. Im Süßigkeiten-Regal eine neue Sorte Bonbons. Mein Verhängnis. Wenn irgendwo „NEU“ drauf steht, muss ich das probieren. Nur mal den Geschmack erfahren. Das reicht schon. Für die Kinder, sagte ich mir diesmal und legte die bunte Tüte in den Einkaufswagen.

2 Tage habe ich es geschafft. Die Tüte war offen, hier und da gab ich den lieben Kleinen einen Bonbon und faltete sie anschließend wieder brav zu. Aber dann, Sonntagabend, irgendwie – ich kann nicht erklären warum genau – griff ich zu. Es war ein Cola-Bonbon. Ich musste es unbedingt, unbedingt probieren…
Und dann habe ich mich geschämt. Sehr sogar. Vor allem wegen meines Sohnes. Er ist so diszipliniert und ich – eine Erwachsene, die ihre Gelüste viel besser steuern sollte könnte – schaffe es nicht? Es war mein (hoffentlich) letzter Fehltritt.

Unsere Praktikantin Jana, im wirklichen Leben Studentin der Geografie, sitzt mir gerade gegenüber. Sie wirkt entspannt – und ist es tatsächlich, wie sie mir versichert. Denn ihr iPhone befindet sich sozusagen im Winterschlaf und verschafft ihr selbst viele ruhige Momente am Tag. Offensichtlichster Indikator: Satt täglich, muss der Akku nur noch alle drei Tage aufgeladen werden. Weder WhatsApp, noch Facebook oder Internetzugang ziehen Strom – und Janas Zeit. „Der Verzicht fällt mir leicht“, sagt sie und erzählt von dem eigentlich ungewollten Zwang, immer und zu jeder Zeit den Nachrichteneingang zu checken. „Manchmal kommt es mir vor, als leben wir gar nicht in der Gegenwart. Denn wir chatten ständig über Ereignisse in der Zukunft. Und wenn diese Ereignisse stattfinden, genießen wir sie nicht, sondern planen schon das nächste…“

Neulich reiste sie mit dem Zug nach Berlin. Und zwar nicht gesenkten Hauptes aufs Smartphone starrend (denn da gab’s ja nix zu lesen), sondern Menschen beobachtend, die gesenkten Hauptes aufs Smartphone starrten. Aha, so sehe ich also auch aus, dachte sie und drehte den Kopf zum Fenster, um ihre Gedanken in die vorbeifliegende Landschaft ziehen zu lassen. Damit sie den Weg zu den Messehallen der ITB (Internationale Tourismus-Börse) findet, hat sie nicht heimlich ihren Navigator aktiviert. Nein, eine Freundin hat ihr eine SMS mit Wegbeschreibung geschickt. Und für den Rückweg zum Bahnhof hat sich Jana ganz altmodisch durchgefragt.

Angst, ohne die etwa 50 Nachrichten am Tag, etwas zu verpassen, hat Jana nicht. „In dringenden Fällen würde man mich anrufen.“ Einen kleinen Nebeneffekt hat das iPhone-Fasten aber doch: „Ich sitze abends länger am Computer auf Facebook.“

Apropos verpassen: Fast hätte Kollegin Juliane ein fröhliches Kaffeetrinken bei einer Freundin verpasst. Während alle anderen Mädels per WhatsApp informiert wurden, hat niemand daran gedacht, ihr eine SMS zu schicken. Inzwischen wissen die wichtigsten Freunde bescheid, dass sie ihren Internetzugang auf dem iPhone abgeschaltet hat.

Wie auch Jana wird sich Juliane mehr und mehr der wunderbaren Ruhe bewusst. „Ich lasse das Handy inzwischen einfach im Zimmer liegen – statt es immer mitzunehmen“, erzählt sie. Denn Nachrichten treffen zurzeit eh keine ein. Über WhatsApp waren es unschätzbar viele am Tag – die natürlich alle beantwortet werden wollten – jetzt sind es 1 bis 2 SMS am Tag, „manchmal gar keine“, staunt sie. Da Juliane nur bei der Arbeit einen Computer nutzt, hat sie am Abend nach der Arbeit Zeit für Sport, Freunde und – den Fernseher. „Ich gucke ein bisschen mehr als vorher“, gesteht sie grinsend. Ob sie die 40 Tage durchhält? „Klar.“ Nur einmal, gleich am zweiten Tag des Fastens, musste sie ihr Gelübde brechen. Wegen einer in den nächsten Stunden anstehenden Geburt musste sie den Hund der Familie in die Hundepension bringen. In der ganzen Aufregung hatte sie keine Nerven, im Dunkeln den Weg klassisch per Karte zu suchen. Also aktivierte sie ihren Navigator auf dem Smartphone. „Aber das war echt eine Ausnahme!“, versichert sie.

Wie es uns weiterhin ergehen wird und wie Kollegin Diana ohne ihren intravenös zugeführten Kaffee klar kommt, erfahrt Ihr im nächsten Blogpost. Bis dahin!

12.03.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
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