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Notizen vom TFF Rudolstadt 2014

15.07.2014 Veranstaltungen Alemania Andina Brasilien Musik erstellt von Nils-Christian Engel

Im Gespräch: Der Sänger und Gitarrist Ronaldo Breve – mit Video!

Rudolstadt ist ein beschauliches Städtchen mitten in Thüringen, und einmal im Jahr platzt der südlich von Weimar gelegene Ort aus allen Nähten: Immer am ersten Juliwochenende strömen Weltmusik-Fans aus aller Herren Länder an die Saale, um das das Tanz- und Folkfestival (TFF) zu besuchen. Rund 87.000 Besucher waren es bei der jüngsten, 24. Auflage des TFF. Nur so zum Vergleich: Die größten Stadien der gerade zu Ende gegangenen Fußball-WM in Brasilien fassen um die 70.000 Zuschauer – und das gastgebende Rudolstadt selbst zählt knapp 23.000 Einwohner.

Der Länderschwerpunkt des Festivals war in diesem Jahr Tansania, weshalb lateinamerikanische Musik eine vergleichsweise geringe Rolle im Programm spielte. Wer aber – wie ich – suchte, wurde fündig – und sei es durch bloßen Zufall. In den Auftritt der österreichischen Gruppe „Federspiel“ zum Beispiel bin ich einfach reingestolpert – beim Durchblättern des ziemlich umfangreichen Programms hatte ich sie vollkommen übersehen. Das siebenköpfige Bläserensemble bringt den Sombrero in die Wachau und kennt offenbar einige Abkürzungen zwischen Wien und Mexico City.

» Linktipp: Mehr über „Federspiel“ auf www.feder-spiel.at

Ziemlich weit oben auf meiner Liste stand die nächtliche Samba-de-Roda-Show von Dona Nicinha. Gemeinsam mit ein paar tausend anderen ließ ich Regenschauer Regenschauer sein, was sich unbedingt gelohnt hat.

» Linktipp: Mehr über Dona Nicinha auf www.sambadenicinha.com

Leider kann man sich nicht zerreißen, und so habe ich auch einiges verpasst, zum Beispiel Dudu Tucci und die „Brazil Power Drums, den Tanzkurs mit Aílton Silva und das „Mexican Institute of Sound“. Hier immerhin die Links für Euch, es wird sich bestimmt noch eine Gelegenheit ergeben, mehr über diese Künstler zu schreiben:

» Zur Website von Dudu Tucci www.dudu-tucci.de

» Zur Website von Aílton Silva artdance-berlin.blogspot.de

» Zur Website der Gruppe  „Mexican Institute of Sound“ institutomexicanodelsonido.tv

 

 

Gelohnt hat sich der Streifzug trotz alledem, nicht zuletzt wegen einer Entdeckung, die ich abseits des sensationellen Bühnenprogramms machen konnte, an einem der kleineren Nebenschauplätze des Festivals. Dort traf ich den brasilianischen Gitarristen und Sänger Ronaldo Breve, der sich bei seinem Auftritt als Meister der leiseren Töne zeigte. Er stammt aus der Maré, einer Favela im Norden Rios. Sie gehört zu den Stadtteilen, in denen sich die martialischen Polizeieinsätze im Vorfeld der Fußball-WM abgespielt haben.
Erst mit 17 Jahren begann Breve, sich näher mit Musik zu beschäftigen, als Mitglied einer Gruppe, die in der örtlichen Kirche zur Messe spielte. Drei Jahre später wagte er sich in eine weiter gesteckte Öffentlichkeit und gewann 2001 den zweiten Preis des Festivals „Viva Rio“.

2009 veröffentlichte er seine erste CD, ein Markstein auf dem Weg zum Berufsmusiker. So zettelte Breve in der folgenden Zeit eine beeindruckende Reihe von Band-Projekten an, und wurde 2012 gleich zweimal beim Kompositions-Wettbewerb „Porto Aberto“ ausgezeichnet. Seit 2013 ist er in Dresden zu Hause, reist aber einmal im Jahr nach Rio de Janeiro, um seine Familie zu besuchen und befreundete Musiker im Künstlerviertel Lapa zu treffen.
Die Wurzeln von Breves Musik führen tief in die Música Popular Brasileira hinein, die brasilianische Unterhaltungsmusik – wobei „Unterhaltungsmusik“ eigentlich eine falsche Übersetzung dessen ist, was música popular in Brasilien bedeutet.

„Die wichtigsten Einflüsse auf meine Musik kommen hauptsächlich von João Nogueira und Djavan. Manche Leute sagen zu mir, dass manche Lieder dem Stil von Djavan ähneln, meine Stimme und meine Art, Gitarre zu spielen. Es stimmt auch, diese zwei haben wirklich einen großen Einfluss: João Nogueira und Djavan.“

Ronaldos Band-Projekte bringen mitreißenden Samba-Rock auf die Bühne, während er als Singer-Songwriter seine Lieder zart, aber mit einem weit tragenden, zuweilen jazzigen Atem pulsieren lässt. Allein die Musik erzählt schon so viel, dass das Zuhören nie langweilig wird. Trotzdem besteht ein großes Projekt Ronaldo Breves zurzeit darin, Deutsch zu lernen: Denn seine Texte, sind am Leben entlang geschrieben, und er wünscht sich, davon mehr mitteilen zu können.

„Die meisten meiner Lieder und meine Texte sind Teile von mir selbst. Es geht um verschiedene Arten, die Welt zu sehen, verschiedene Sichtweisen auf mein Viertel, die Leute, die brasilianische Bevölkerung. Und ich sorge mich auch um die Natur, die Sorge darum, dass die Menschen die Natur besser schützen müssen. Meine Lieder sagen viel aus über mich, über den Brasilianer selbst, seinen Alltag, die Arbeit, das schwierige Leben in der Großstadt mit vielen Problemen. Meine Musik spricht ein bisschen von diesen sozialen Problemen in Brasilien.“

In den nächsten Monaten ist Ronaldo Breve vor allem in und um seine neue Heimatstadt Dresden live zu erleben. Hingehen lohnt sich! Aktuelle Termine, mehr Info und Videos findet Ihr auf Ronaldos Website ronaldobreve.jimdo.com

» Linktipp: Aktuelles über das TFF lest Ihr am besten auf tff-rudolstadt.de

 

Unser Gastautor Nils-Christian Engel ist PR-Journalist und spezialisiert auf Reise- und Kulturthemen.

15.07.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Ronaldo Breve beim TFF 2014
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