América Andina - 20 Jahre Reisen in Lateinamerika
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Musik öffnet Herzen und Perspektiven

Sara Zuriel Garcia Hernández war neun Jahre alt, als sie zum ersten Mal das Flötespielen ausprobierte. Für das Mädchen, das in ärmlichen Verhältnissen in der Kleinstadt Ciudad Sandino in Nicaragua aufwächst, ist das Erlernen eines Instruments etwas ganz Besonderes. Möglich macht es das Projekt Música en los Barrios (Musik in den Vierteln) in Managua, das Kindern und Jugendlichen wie Sara freien Zugang zu Musikunterricht bietet – und eine Auszeit vom traurigen Alltag. Ob Flöte, Cello, Geige, Oboe, Gitarre, Klavier oder Marimba – das bunte Programm der Musikschule bietet das passende Instrument. Insgesamt 500 Schüler im Alter von 5 bis 21 Jahren hat das Projekt Música en los Barrios bereits erreicht. Für Sara war die Flöte „nur“ der Anfang einer außergewöhnlichen musikalischen Laufbahn. Dass das Mädchen nur wenige Jahre später sein erstes Solo-Klavierkonzert im berühmten Nationaltheater Rubén Darío in Managua spielen würde, hätte zu dem Zeitpunkt wohl niemand vermutet …

Sara kommt – wie viele Kinder und junge Menschen in Nicaragua – aus einem erschütternden sozialen Umfeld, geprägt von Entbehrung, Not und Leid. Nach dem Human Development Report (2014) leben fast 20 Prozent der Gesamtbevölkerung in Armut, gemessen an den Kriterien Bildung, Gesundheit und Lebensstandard. Immer noch gehört Nicaragua zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas.

Einen Lichtblick im Elend bildet die Arbeit des wohltätigen Vereins Pan y Arte e. V., der nun seit 20 Jahren für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit in Nicaragua steht und die kulturelle Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt stellt – Brot und Kunst, wie es der Name der Initiative unterstreicht. Das Projekt Música en los Barrios gehört dazu. Wir von América Andina sind stolz darauf, dass Pan y Arte seit vielen Jahren ein fester Partner von uns ist. Jedes Jahr im Februar starten wir mit Reise-Gästen und in Begleitung einer Pan y Arte-Mitarbeiterin eine Projektreise nach Nicaragua, bei der neben vielen touristischen Hot Spots vor allem die Besuche der Projekte von Pan y Arte im Vordergrund stehen. Auch die begeisterten Kinder, Jugendlichen und Lehrer von Música en los Barrios lernen unsere Reisenden dann kennen. Aber davon erzählen wir mehr in einem weiteren Bericht.

„Kultur darf kein Luxus sein!“ lautet das aussagekräftige Leitmotto des Vereins, der seinen Sitz im westfälischen Münster hat. Seit 20 Jahren helfen die Kulturprojekte von Pan y Arte, dass Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen zur starken Persönlichkeiten heranwachsen. Und zwar nicht nur durch den kostenfreien Zugang zu Musik, sondern auch zu Literatur, Malerei, Kunst, Tanz und Theaterspielen. Denn für kreative Entfaltungsmöglichkeiten ist im alltäglichen Überlebenskampf kein Geld da – und keine Zeit.

Es war der Schauspieler und Autor Dietmar Schönherr, der dieses anspruchsvolle Hilfswerk auf den Weg brachte. Anfang der 1980er Jahre begann er, sich mit großer Hingabe für die Menschen in Nicaragua einzusetzen. Er gründete die Stiftung „Hilfe zur Selbsthilfe“, aus der in den 1990er Jahren der Verein Pan y Arte hervorging. Im Juli 2014 ist Dietmar Schönherr im Alter von 88 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine große Lücke, aber auch ein großes Erbe, von dem inzwischen viele hundert Kinder in Nicaragua profitiert haben. Pan y Arte hat versprochen, sein Lebenswerk in Nicaragua in seinem Sinne mit viel Herzblut und Verantwortung weiterzuführen.

Aber nun zurück zu Sara und Música en los Barrios. Die ersten Flötenkurse in den Armenvierteln Managuas starteten 1993. In der mobilen Musikschule erhalten alle Schüler zunächst kostenlosen Flöten-Unterricht, sie tanzen, singen und spielen gemeinsam. Mittlerweile sind es zehn Barrios, also zehn Viertel, in denen benachteiligte Kinder regelmäßig unterrichtet werden. Es sind die vielen kleinen Momente, die „Música“ ausmachen: Die Aufregung der Schüler vor den kleinen Auftritten im Beisein der Eltern, der Blick in fröhliche, konzentrierte Gesichter beim samstäglichen Unterricht in den sonst so tristen Barrios, der Stolz auf diese außergewöhnliche Möglichkeit zu musizieren … So hat auch Sara einst angefangen: Mit dem Flötenunterricht. Sie mauserte sich zu einer besonders eifrigen Schülerin, und konnte deshalb ein weiteres Instrument lernen, gegen einen geringen, symbolischen Beitrag: Sara entschied sich für das Klavier.

Sara von Música en los BarriosHeute ist das Mädchen 15 Jahre alt und gilt als eines der Ausnahmetalente von „Música“. Während ihrer Ausbildung entdeckte sie Ton für Ton die Welt der Musik für sich, heißt es bei Pan y Arte. Der Verein hat die Entwicklung Saras, die auf allen Fotos mit glücklich strahlendem Gesicht zu sehen ist, dokumentiert, als ein positives, mitreißendes Beispiel. Geschichten wie diese sind der glaubwürdigste Beleg für den Erfolg von Pan y Arte. In diesem Zusammenhang hat der Verein aktuell eine Facebook-Seriegestartet, in der zwei junge Menschen aus Nicaragua ein Jahr lang begleitet werden: Luis, 26, Musiklehrer an der Musikschule der „Casa de los Tres Mundos“ von Pan y Arte und Pablo, 19, der regelmäßig die deutsch-nicaraguanische Bibliothek besucht, um für sein Studium der Ingenieurwissenschaften zu lernen.

Sara verbringt jede Woche drei Nachmittage bei „Música“. Aber auch zu Hause übt sie jeden Abend mindestens zwei Stunden lang auf ihrem Keyboard – was übrigens ihr kostbarster Schatz ist! Denn das Instrument konnte sie sich erst durch das Honorar für ihr Konzert im Nationaltheater anschaffen. In den armen Familien stellen selbst die Kosten für Schulkleidung und –material eine große finanzielle Belastung dar – für Hobbys der Kinder ist da natürlich erst recht kein Geld übrig. Und ein eigenes Keyboard zu besitzen, grenzt in Nicaragua schon an Luxus. Für Sara aber ist es die Brücke von Armut und Perspektivlosigkeit in eine vielversprechende und hoffnungsvolle Zukunft.

„In der Musik kann ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen und den Alltag ausblenden“, erzählt Sara. Und auch, dass sie viele neue Freunde gefunden habe durch die Musik. Mit großer Begeisterung begleitet Sara am Klavier auch den Chor von „Música“. In verschiedenen Ensembles musizieren Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern. Denn das „Pan y Arte“-Projekt ist mehr als nur eine Ausbildungsstätte. Es ist ein Ort, an dem alle Mitwirkenden eine große Gemeinschaft bilden, die zusammen spielt, lacht und sogar Englisch lernt. Ja, denn auch Englischkurse, Feriencamps oder Veranstaltungen mit dem Nachbarprojekt der deutsch-nicaraguanischen Bibliothek fördern den Gemeinschaftssinn und die ganzheitliche Entwicklung der Kinder. „Manchmal anstrengend – aber sehr erfüllend“, sagt Sara.

„Dass man mit Anstrengung alles erreichen kann“, sei das Wichtigste, was die fleißige Schülerin bei „Música“ gelernt habe. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Dass alle meine Träume und Ziele im Leben in Erfüllung gehen und es meiner Familie und allen Menschen, die mir geholfen haben, gut geht.“

Es sind wahrscheinlich ganz bestimmte Menschen, an die Sara bei diesem Wunsch denkt – Menschen, die für sie da sind, nicht zuletzt bei Música en los Barrios. Das Netz, das sie alle trägt, ist aber noch viel größer, bis hin zu jedem einzelnen Spender, der diese wichtige Arbeit unterstützt. Deshalb feiert Pan y Arte e. V. in diesem ausgehenden Jahr 2014 sein 20jähriges Bestehen mit einer besonderen Spendenaktion: „Jetzt Kultur schaffen!“ ist ihr Motto, und sie hat das ehrgeizige Ziel, 100.000 Euro zu sammeln – für Lichtblicke im Leben junger Menschen wie Sara. Alle Informationen dazu gibt es auf der Website von Pan y Arte e. V.

01.12.2014
 
Sara am Klavier
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Mietwagenrundreise Höhepunkte Nicaragua

Ometepe, Granada, Matagalpa, León, Vulkan Cosigüina, Salinas Grandes

Eine außergewöhnliche Reise in ein außergewöhnliches Land. Lange Zeit auf der touristischen Landkarte gar nicht verzeichnet, gilt Nicaragua zunehmend als Geheimtipp unter Entdeckern. Zu Recht, denn das mittelamerikanische Land besitzt nicht nur atemberaubende vulkanische Landschaften und ursprüngliche tropische Wälder, sondern empfängt den Besucher auch mit einer selten erlebten Herzlichkeit.

Highlights:
  • Managua
  • Ometepe
  • Bootstour zu den Isletas de Granada
  • La Sombra Ecolodge im Bergnebelwald
  • Schlammkrater Los Hervidores
  • Kolonialstädtedt León und Granada
  • Strandurlaub bei Salinas Grandes
  • Wanderungen; Reitausflug optional
  • Vulkane Maderas, Concepción, Cerro Negro, Cosigüina
 
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