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Mit Flip Flops durch den Sommer schlurfen ist angesagt

Die einstige Armen- und Arbeiter-Sandale wird 55 Jahre alt

Sommerzeit – Flip-Flop-Zeit. Ist das nicht herrlich, in luftiger Kleidung, Gummi-Schlappen an den Füßen, diese Zeit zu genießen? Machen Sie sich doch mal das Vergnügen und versuchen am Geräusch der Fußgänger zu erkennen, ob diese die beliebten Zehentrenner -Sandalen tragen. Nach diesem typischen „flip flop flip flop“-Sound hat nämlich eine Firma die weltweit beliebten Schuhe benannt und damit einen Riesen-Trend bedient. Flip Flops vermitteln: Ich bin cool, locker, entspannt. Dabei gibt es die Gummilatschen in diesem Sommer schon 55 Jahre! Und diese Geschichte wollen wir einmal erzählen – denn sie ist ganz eng mit unserer größten Reise-Destination Brasilien verbunden …

In Brasilien kamen die Gummischlappen 1962 auf den Markt. „Havaianas“ wurden sie getauft. Weil Hawaii in den 60-er Jahren so angesagt war. Und unter diesem Namen firmieren sie auch heute noch. Weil sie wirklich für jedermann erschwinglich waren, galten sie in Brasilien von Anfang an als Armen- oder Arbeiter-Sandale. Inspiriert hatten sich die Hersteller der Schlappen übrigens von der traditionellen japanischen Zori-Zehensteg-Sandale aus Stroh oder Holz. Das brasilianische Modell war aber aus Plastik, für das zur Herstellung heimische Rohstoffe verwendet wurden. Es zeichnete sich durch Tragekomfort und vor allem Haltbarkeit aus. Modische Aspekte standen an letzter Stelle – nein, es gab sie gar nicht!

Die ersten Havaianas waren weiß mit schwarzem Riemen oder schwarz mit weißem Riemen. Fast jedes Kind aus den Favelas oder Armen-Vierteln Brasiliens hatte diese Einheits-Sandalen an den Füßen. Ihre Eltern schlurften in ihnen zur Arbeit. Ihre Großeltern darin zum Markt. Es wurde darin Fußball gespielt, getanzt, der Boden gefegt und kilometerweit gelaufen … Weil Havaianas als die Schuhe der Armen galten, waren ihre Träger nicht gerade stolz drauf, sie an den Füßen zu haben…

Doch diese Zeiten sind vorbei: Und zwar seit es die bunten Flip Flops an die Füße von Prominenten geschafft haben, sie auf Laufstegen zu Designer-Anzügen getragen werden, von Börsenmaklern in New Yorker Büros, auf Hochzeiten, Jubiläen und Partys – und auch immer wieder direkt hinter einem ist das vertraut schlurfige „flip flop flip flop“ zu hören. Dieses Hoch währt aber noch gar nicht so lange. Nach deutlichen Verkaufseinbrüchen in den 90-er Jahren nahmen die Brasilianischen Hersteller einen Strategie- und Imagewechsel vor und den internationalen Markt stärker ins Visier. Neue Modelle, vor allem in bunten, kräftigen Farben, witzige Werbe-Kampagnen mit bekannten Künstlern und Models gaben der Arbeiter-Sandale ein attraktives junges Image. So war es unter den Einheimischen nicht mehr verpönt, die Schuhe zu tragen – im Gegenteil: wer sie trug, war angesagt. Und im viel kühleren Europa vermitteln die schlichten Schlappen zudem auch das Lebensgefühl von Sonne, Strand und Meer – also her damit! Die Sommerlatsche boomt und boomt seitdem. Es gibt mittlerweile unzählige Hersteller!

Havaianas sind natürlich eines der beliebtesten Mitbringsel aus Brasilien, das mit 8.000 km Strand prädestiniert für die in Schuhen personifizierte Lässigkeit ist. Beliebt sind sie mit der Nationalflagge Brasiliens auf dem Riemen und einem farblich passenden Logo. Eigentlich kann man in jedem Supermarkt Brasiliens Havaianas kaufen, und sei der Ort noch so abgelegen … Aber sie stehen auch in den Schaufenstern edelster Boutiquen an den Nobel-Einkaufsmeilen São Paulos oder Ríos. Es gibt Havaianas für Babys mit Comic-Figuren drauf, welche mit Absatz und handgefertigte Luxus-Modelle mit Swarovski-Kristallen. Zwischen 10 Reais (3,85 Euro) bis zu stolzen 380 Reais (146 Euro) geben die Träger und Trägerinnen dafür aus. Beliebt sind individualisierbare Havaianas, bei denen Glitzersteinchen, Figürchen oder auch Länderflaggen in die farblich wählbaren Riemen eingestanzt werden.
So, und jetzt zähl ich mal, wie viele Havaianas/Flip Flops meine Kolleginnen und ich zusammen bringen … Wir sind 7 und kommen auf 33 Paare (!!!). Okay, eine Kollegin ist mit einem Brasilianer verheiratet, das begünstigt die Statistik ein wenig 😉 – sie hat sogar in Havaianas „ja“ gesagt. Und unsere Chefin war schon soooo oft in Brasilien, da sind 8 Paar noch wenig … Viel Spaß beim Schlurfen in diesem Sommer!

14.07.2017Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Flip Flops - in Brasilien heißen sie Havaianas - sind seit 55 Jahren auf dem Markt und werden weltweit getragen.
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