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Mit 19 Jahren Expertin für Guatemala

Porträt unserer Auszubildenden Franziska Götte: Heimat Bayern, Sozialarbeit in Antigua, erste eigene Wohnung in Münster

Was Franziska als gerade 19-Jährige in Guatemala erlebt hat, lässt sie nicht mehr los. Sechs Monate hat sie über das Programm „Praktikawelten“, das Praktikums-Plätze rund um den Globus vermittelt, in der Kleinstadt Antigua bei einer Gastfamilie gelebt und sich in dieser Zeit in einem Sozialprojekt um unterernährte Babys und Kinder gekümmert. Viel hat sie gesehen, viel erlebt, und wenn sie davon erzählt, steigen ihren Zuhörern manchmal die Tränen in den Augen …

Im April 2014 kehrt Franziska Götte nach Deutschland zurück und fünf Monate später zieht sie von Bayern nach Münster, um bei uns ihre Ausbildung zur Tourismus-Kauffrau zu beginnen. Der 7.000-Einwohner-Ort Eichendorf in Niederbayern, grob gesagt zwischen München und Passau auf der Höhe von Landshut gelegen, ist ihre Heimat. Der Umzug nach Münster, immerhin 300.000 Einwohner stark und unter dem Joch von 1,67-mal so vielen Fahrrädern, war fast ein größerer Schritt als der über den Atlantik nach Guatemala … Die Grundausstattung für die erste eigene Wohnung war in einem schwedischen Möbelhaus schnell gefunden. Und sogar mit einer tollen Wohnung klappte es in der Studenten-Hochburg Münster prima. Franziska ist angekommen! Und fährt – wie eine echte Münsteranerin – natürlich mit dem Rad zur Arbeit 🙂

Die 19-Jährige hat sich für uns bisher als echter Glücksgriff erwiesen. Nicht nur, weil sie spanisch spricht. Sie kennt Lateinamerika, hat Spaß am Reisen und konnte beides zudem in einer motivierten Bewerbung an unser Unternehmen zum Ausdruck bringen. Denn leicht war es für uns als Lateinamerika-Spezialist nicht, eine passende Auszubildende zu finden. „Einer schrieb, dass er schon immer gerne in einer Großstadt leben wollte“, erinnert sich Geschäftsführerin Kathrin von Schiller an kuriose Bewerbungen. Ein anderer antwortete auf die Frage, ob er schon einmal in Lateinamerika gewesen sei, folgendermaßen: „Ich war in Brooklyn. Da leben viele Mexikaner …“

Calle-del-Arco-Album-Franziska-GoetteDa stach Franziska ganz deutlich heraus: Nicht viele 18-Jährige haben den Mut, ihre Heimat, Freunde und Familie für ein halbes Jahr zurückzulassen. Guatemala ist ja nicht Spanien, das man im Notfall in einer Nachtfahrt erreicht hätte … Mindestens 17 Stunden Flugzeit liegen zwischen München und Guatemala-Stadt. Franziskas Neugierde auf Guatemala und ihre Begeisterung für Mittelamerika kommen natürlich nicht von ungefähr. Wieso ausgerechnet Guatemala, haben wir sie gefragt? Warum nicht die bei jungen Menschen gängigeren Destinationen Argentinien, Peru, Chile? Der Grund ist folgender: Als Zehntklässlerin ging in ihre Parallelklasse ein Gastschüler aus Guatemala. Weil dessen bayerische Gastfamilie aber nur wenig Zeit für ihn hatte, nahm sich Franziskas Familie gerne des Jungen an. Franziskas weltoffene Eltern waren begeistert von dem Kontakt, zumal sie selbst Lateinamerika schon bereist und lieben gelernt hatten. Es wurde eine tolle Freundschaft zwischen den Familien, die bis heute anhält. Als Juan, der Junge aus Guate (so wird Guatemala City von den Guatemalteken genannt), wieder in seine Heimat zurückkehrte, gab Franziska ihm das Versprechen: „Irgendwann komme ich dich da besuchen …“ Und nur zwei Jahre später war es wirklich soweit.

Über ein Programm, das ehrenamtliche Sozialarbeit und Gastfamilien in Guatemala vermittelt, landete Franziska schließlich in der 35.000 Einwohner zählen Stadt Antigua im zentralen Hochland Guatemalas – nur eine Stunde Fahrzeit von der Millionen-Metropole Guatemala-Stadt entfernt, in der Juan Zuhause ist. Das schöne Stadtbild mit den nahen Vulkanen Agua, Acatenango und Fuego, zahlreiche Restaurants, Geschäfte und Sprachschulen locken viele junge Menschen aus aller Welt nach Antigua. Übrigens: Bereits seit 1979 ist die Stadt mit ihrer barocken Kolonial-Architektur UNESCO-Weltkulturerbe.

Franziskas Gastfamilie ist arm. Nur mithilfe der Mieten, die die Gastschüler zahlen, kann sie ihren Lebensunterhalt sichern. Fünf Gastschüler leben immer gleichzeitig bei der Familie. Die Zimmer sind karg eingerichtet: „Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Stuhl, den ich aber nicht benutzen mochte, weil er selbstgezimmert war und nicht sehr stabil aussah und ein Schrank. Also ein Gestell aus Eisen, wo ich meine Sachen reinlegen konnte … Aber man gewöhnt sich an alles“, fügt Franziska gut gelaunt hinzu.

Dia-del-Diabolo-Album-Franziska-GoetteWer jetzt die oft erzählte Geschichte von armen, aber herzlichen Gasteltern erwartet, den muss Franziska enttäuschen. Das Verhältnis zu ihrer Gastfamilie war eher funktionell. Als Beispiel erzählt sie von ihrem Geburtstag, den sie dort drei Wochen nach ihrer Ankunft feiern wollte. Freunde hatten eine kleine Party geplant. Ganz ruhig wollte man zusammensitzen. Doch eine Stunde, bevor es losgehen sollte, ließ die Gastfamilie das Fest platzen. Und den eigentlich üblichen Geburtstags-Kuchen hat Franziska auch nicht bekommen. Denn ihr Ehrentag fiel auf einen Sonntag – und für den Tag hatte sie keine Miete bezahlt. Also wurde auch kein Kuchen gekauft.

Beim Erzählen dieser Geschichte muss Franziska schlucken: „Ich liebe meinen Geburtstag sehr …“, sagt sie und lässt offen, wie arg es ihr damals zugesetzt hatte, so „vergessen“ zu werden. Als Zuhörer überlegt man selbst sofort, wie es einem, so weit weg von Zuhause, in der Situation wohl ergangen wäre? Zum Glück gab es noch die „Oma“ in der Familie. Sie hat Franziska ins Herz geschlossen und für Franziska wurde sie zu einer echten Großmutter fern der Heimat.

Franziska hätte jederzeit die Möglichkeit und die Mittel gehabt, ihren Aufenthalt in Guatemala abzubrechen. Aber das passt nicht zu ihr. Selbst, als sie feststellte, dass das gemeinsame Essen, das die Gastfamilie auftischte, nicht für alle zum Sattwerden reichte, gab sie nicht klein bei. „Wir haben das Thema im Haus angesprochen. Und daraufhin bekamen wir mehr Brot.“ Es war einfaches, weißes Brot, ohne Salz gebacken. „Ich habe dann nach Marmelade gefragt und habe mir, wenn ich Hunger hatte, ein Marmeladenbrot gemacht.“ Franziskas finanzielle Mittel waren beschränkt. Sie hatte zwar nach dem Abi gejobbt, um sich etwas dazuzuverdienen, aber den Großteil der Kosten ihres sechsmonatigen Aufenthalts in Guatemala haben ihre Eltern getragen. „Und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar“, sagt die 19-Jährige.

Casa-Jackson-Guatemala-Franzsika-GoetteDie Lebenserfahrungen, die die Bayerin in so jungen Jahren machte, die Bilder, die sich in ihrem Kopf verankert haben, werden sie ein Leben lang begleiten und ihr den Rücken stärken. Sie wird wissen, wenn sie vor einer Schwierigkeit steht: Ich schaffe das! Wenn sie von ihren Aufgaben im Sozialprojekt erzählt, tut sie das gefasst. Dabei muss es nicht leicht gewesen sein, täglich mit dem traurigen Anblick unterernährter Babys und Kinder konfrontiert zu werden. Zur „Casa Jackson“, Franziskas Arbeitsplatz für ein halbes Jahr, am Stadtrand von Antigua gelegen, gehören eine Schule, eine Arztpraxis, eine Kleidersammlung (bei deren Verteilung an bedürftige Familien Franziska geholfen hat) und die „Casa Jackson“ selbst. In dieses Haus ging Franziska täglich, um sich um die kleinen Bewohner zu kümmern. Zehn unterernährte Kinder, vor allem Babys, leben dort.

Einige wurden von ihren verzweifelten Eltern gebracht, andere einfach vor die Tür gelegt. Franziska hat mit den Kindern gespielt, sie gefüttert, ihnen Fläschchen gegeben. Sie war jeden Tag dort. Verpflichtet war nicht dazu, sie hat es freiwillig gemacht. „Die Arbeit ist mir nah gegangen und wir Helfer wurden sehr gebraucht“, sagt Franziska. Sie hat dort geholfen, wo es notwendig war, auch in der Küche oder beim Saubermachen: Besonders ans Herz gewachsen sind ihr in der Zeit zwei kleine Mädchen, 1,5 und 2 Jahre alt, mit denen sie oft gespielt hat. Auf der Dachterrasse – die einzige Möglichkeit für die Kleinen, einmal frische Luft zu schnuppern – hat sie sie stundenlang gehalten und mit ihnen über die Häuserdächer geblickt. Es war Franziskas Idee, diese Dachterrasse für gesundheitlich stabilere Kinder zu öffnen. Und die haben es geliebt, endlich einmal nach „draußen gehen“ zu können.

Wenn sich die Kinder erholt hatten, gingen sie zurück in die Familien oder wurden – wie im Fall des vor die Tür gelegten Babys – in neue Familien vermittelt. Zum Teil waren die Eltern der Kinder auch anwesend. Denn es handelte sich nicht nur um Kinder aus sozial schwachen Familien, sondern auch um Kinder, die einfach nicht essen wollten. Gegründet wurde das Projekt 2008 von Gene und Sue Jackson aus Dickinson, North Dakota.

Neben ihren sozialen Aufgaben hat Franziska aber auch ausreichend Zeit gefunden, Land und Leute kennenzulernen. Antigua hat sich zum Beispiel als regelrechte Partystadt herausgestellt, sagt die 19-Jährige. „Da ist immer was los“, erzählt sie. Mit Juan ist sie viel in der Hauptstadt Guatemala-Stadt unterwegs gewesen. Und auch Ausflüge in die Umgebung hat sie unternommen. Am allerschönsten fand sie Semuc Champey, was übersetzt so viel heißt wie „dort, wo das Wasser verschwindet/sich versteckt“. Es ist ein Naturschutzgebiet, das aus vielen türkisgrünen Wasserbecken von einem bis drei Metern Tiefe besteht. Am Strand vom Lago de Atitlán lebte sie mit befreundeten Surfern in einer Hütte, im Hochland besuchte sie Chichicastenango, berühmt für seinen Markt – den größten in Mittelamerika. Und mit dem Bus reiste sie über Belize nach Mexiko.

Jetzt fuchst sich Franziska in die vielfältigen Aufgaben ein, die eine Tourismus-Kauffrau bei einem Lateinamerika-Spezialisten wissen muss. Aber wenn es um Fachfragen zu Guatemala geht, ist sie schon jetzt eine echte Expertin!

19.10.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Gastfamilie von unserer Reisespezialistin Franziska in Guatemala
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  • Indigene Märkte in Chichicastenago und San Francisco El Alto
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  • Strandurlaub
 
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