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„Lesereise Brasilien“ von Christine Wollowski – Rezension

Wie bringt man in einem vergleichsweise kleinen Büchlein ein Land unter, das so groß, komplex und widersprüchlich ist wie ein ganzer Kontinent? Solche Herausforderungen scheuen die schmalen, mitnehmfreudigen Bücher der Reihe „Lesereise“ traditionell nicht, mit denen der Wiener Picus-Verlag seit vielen Jahren den Globus erschließt. Das Konzept ist dabei so einfach wie leserfreundlich: Statt enzyklopädischer Vollständigkeit und Tiefgründigkeit – bzw. dem Anschein von beidem – gibt es ein handliches Päckchen gut zugespitzter Reportagen.

So ist jede „Lesereise“ ein Wagnis, das den Mut zur Lücke voraussetzt – und vom Autor neben erstklassiger Ortskenntnis gutes schriftstellerisches Handwerkszeug verlangt. In diesem Sinne ist die jüngst erschienene „Lesereise Brasilien“, geschrieben bzw. geleitet von der Journalistin Christine Wollowski, für mich eine der gelungensten Ausgaben dieser Reihe: Ein Brasilien-Büchlein, das hervorragend informiert und ein lebendiges Gefühl dafür vermittelt, was es mit diesem vielseitigen Land und seinen Bewohnern auf sich hat – und warum Brasilien seit nunmehr bald 15 Jahren den Lebens- und Arbeitsmittelpunkt Wollowskis bildet.

Die 132 Seiten zählenden 17 Kapitel bieten eine gute Auswahl der gewiss zahllosen Orte und Themen, die für diese „Lesereise“ in Frage gekommen sein dürften, angesichts der vielen Jahre, die die Autorin schon im Land ist. Entstanden ist dabei aber kein Reiseführer, und wer den Band vergeblich nach klassischen Stationen wie Salvador da Bahia, Iguaçu oder Pantanal durchblättert, könnte versucht sein, ihn wieder zur Seite zu legen. Was ein Fehler wäre, nicht nur, weil Wollowski ihre Leser auch an Orte führt, die, wenigstens bei anspruchsvolleren Brasilien-Reisen, durchaus zum Programm gehören: Die Lapa etwa, das Szene- und Künstlerviertel in Rio de Janeiro, die beliebte Chapada Diamantina und die Wüstengegend der Lençois Maranhenses sind dabei, ebenso das Reservat Mamirauá und der Archipel Fernando de Noronha.

Überhaupt spielt der Tourismus eine wichtige Rolle in vielen Reportagen, gerade dann, wenn von abgelegenen Dörfern die Rede ist, die internationale Reisende eher selten auf dem Zettel haben. Wie haben sich einst unberührte Paradiese auf ihre Besucher eingestellt, welche Chancen konnten ihre Bewohner nutzen, und welchen Gefahren waren bzw. sind sie ausgesetzt? Sensibel und präzise lenkt Wollowski die Aufmerksamkeit immer auf einzelne Menschen, ihre von Schatten und Licht gekennzeichnete Situation, an der „Brasilien“ sichtbar wird – weshalb ihr Blick hinter die sprichwörtlichen Kulissen nie in Klischees und Anti-Klischees abgleitet.

Christine Wollowski

Deshalb ist gerade derjenige mit dieser „Lesereise“ gut bedient, der sich lesend auf seine eigene Brasilienreise vorbereiten möchte, selbst wenn er die eine oder andere Station unter Umständen vermisst. Der unterhaltsame, gut ausgewogene Stil der Autorin ist ein Vergnügen, und an vielen Stellen lässt sie Schlüsselsätze fallen, die man auch andernorts gut brauchen kann. „Das Meer lügt“ ist so ein Satz, gleich im eröffnenden Kapitel über das Naturparadies von Fernando de Noronha: „Aber das Meer lügt verdammt gut.“

Mich persönlich hat auf dieser Lesereise der Ausflug in „Jairs Welt“, die Flussinsel Marajó in der Amazonasmündung am meisten begeistert: Die skurrile Welt der Wasserbüffel zeichnet Wollowski als „ein Brasilien wie vor hundert Jahren“, mit Cowboys, die nicht aus dem Sattel kommen und den Ruhestand fürchten, mit verliebten Papageien und Büffeln im Polizeidienst. Oder der Besuch in den Dünen der Lençois Maranhenses, die der Wind aus dem Sand des Meeres anhäuft, vorantreibt und um und um schaufelt: Sodass die halblegalen Siedler in dieser merkwürdigen Welt aus dem Fegen nicht herauskommen, und alle paar Jahre ihr Haus neu bauen müssen: Wenn es die Düne endgültig verschluckt hat. Erhellend auch das Kapitel „Friede den Hügeln“, das den Leser mit Bewohnern der Favelas in Rio de Janeiro bekannt macht – und zeigt, warum die Elendsviertel „im Wert steigen, wenn sie abgeschafft werden sollen“.

Was es mit „Plínios Oberammergau“ auf sich hat, und warum in Südbrasilien authentische Hunsrück-Kultur zu finden ist … ja, das sei hier wärmstens zur eigenen Lektüre empfohlen, wie Christine Wollowskis „Lesereise Brasilien“ insgesamt!

 

Linktipps:

Auch Christine Wollowskis Blog ist einen und mehrere Besuche wert.

Auf der Website des Picus-Verlags gibt es mehr Informationen zum Buch und Bestellmöglichkeiten.

 

Lesereise Brasilien
von Christine Wollowski

Picus-Verlag, Wien

132 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag:
ISBN 978-3-7117-1051-2
14,90 €

oder als E-Book im epub-Format:
ISBN 978-3-7117-5210-9
9,99 €

 

Unser Gastautor Nils-Christian Engel ist PR-Journalist und spezialisiert auf Reise- und Kulturthemen.

 

Bildnachweis: Foto der Autorin: Archiv Christine Wollowski, mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Alle Angaben zu Preisen, Ausstattung und Umfang des besprochenen Buches ohne Gewähr.

13.08.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Buch von Christine Wollowski über Ihre Lesereise in Brasilien
© Picus-Verlag, Wien
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Gruppenreise Naturwunder Brasiliens

Amazonien, Pantanal, Foz do Iguaçu

Diese Reise verführt Naturliebhaber. Von Manaus aus dringen wir tief in den Amazonas-Regenwald ein, um der unglaublichen Flora und Fauna ganz nah zu sein. Unzählige Vögel, Schlangen, Faultiere und Affen kreuzen unseren Weg. Wir beobachten Süßwasser-Delphine in kleinen Kanälen und finden die neugierigen Fische im „Aquário Encantado“ bezaubernd. Urwald-Geräusche wiegen uns in den Schlaf.

Highlights:
  • Amazonas-Regenwald
  • Pantanal
  • Wasserfälle Iguaçu
  • Mini-Survivaltour
  • Tierbeobachtungen
 
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