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Dem Abgrund so nah: Mit dem Zug zur Teufelsnase

Ein Muss für Mutige: Mit der Bahn über die „Nariz del Diablo“

Die Bahnfahrt über die Teufelsnase „Nariz del Diablo“ in den ecuadorianischen Anden gehört zu den spektakulärsten Strecken der Welt. Sie ist dermaßen abenteuerlich, dass es einer Mutprobe gleichkommt, sie zu wagen. Unerschrockene Touristen, die sich diesem Highlight gestellt haben, können nach ihrer Rückkehr in die Heimat wahrlich etwas erzählen …

Wie der Zug zur Nase kam: Die abenteuerliche Baugeschichte der Riobamba-Bahn

Um die Geschichte der Riobamba-Bahn erzählen zu können, müssen wir ein wenig ausholen: Ecuador erzeugt, seinen unterschiedlichen Kulturlandschaften zum Dank, eine Vielzahl agrarischer Produkte. Zum Beispiel Bananen im Tiefland oder Kartoffeln und Mais in den Hochlagen. Lange Zeit waren aber die Handelswege unzureichend ausgebaut: Nur mühsam gelangten Früchte zu den Menschen in den Anden, bzw. deren Erzeugnisse von den Anden an die Pazifikküste. Die Versorgung stockte – und ebenso die Kommunikation. Briefe und Postkarten von A nach B waren wochenlang unterwegs. Und so nahm sich im 19. Jahrhundert der damalige Präsident Eloy Alfaro der wichtigen und unglaublich aufwändigen Sache an, die Bahnverbindung zwischen Ecuadors Hauptstadt Quito und der wichtigen Hafenmetropole Guayaquil auszubauen.

Die größte Schwierigkeit war die kurze Strecke zwischen den kleinen, unscheinbaren Orten Alausí und Sibambe – mitten in den ecuadorianischen Anden gelegen. Dieses Teilstück galt als unpassierbar, so steil, so unbezwingbar baut sich der Berg vor einem auf, so unberechenbar empfängt einen das Wetter. Um Gleise für die geplante Bahnstrecke verlegen zu können, musste der Weg freigesprengt werden. Aber das Arbeiten auf der Baustelle war lebensgefährlich. Viele Menschen starben. Es hieß, nur wer mit dem Teufel einen Pakt schließt, kann hier eine Zugstrecke bauen … So kam der Berg zu seinem Namen: Teufelsnase – Nariz del Diablo.

Aber es gelang auch ohne höllische Unterstützung: Statt des Teufels wurde ein US-Ingenieur engagiert. 1908 fuhr der erste Zug von Guayaquil nach Quito – und überwand auch die topografischen Hindernisse des 12 Kilometer langen Teilstücks zwischen Alausí und Sibambe hinab ins Tal des Chanchán-Flusses.

Heute gibt es natürlich längst andere Möglichkeiten für den Transport von Gütern und Menschen. Ecuadorianer nehmen vor allem den Bus. Allein schon wegen des Fahrpreises: Rund 15 Euro kostet heute ein Ticket für die Fahrt mit dem legendären Zug hin und zurück über die Teufelsnase. Ein Blick in die Panorama-Bahn, deren neueste Version übrigens eigens in Frankreich konstruiert wurde, macht schnell deutlich, wer sie nutzt: Ausländische Touristen. Die Kameras umklammert, starren sie mit aufgerissenen Augen in den unter ihnen liegenden Abgrund …

Dabei sieht alles zunächst ganz harmlos aus: Mit weniger als 15 Stundenkilometern schlängelt sich der Zug durch die Schlucht hinter Alausí, vorbei an Häusern, Gärten, winkenden Kindern, Kartoffeläckern, Restaurants und Läden. Früher, so erzählt meine Kollegin Germaine Fonseca, die gebürtige Ecuadorianerin ist, „startete die Bahn bereits in Riobamba. Und wir Reisenden – auch Touristen – saßen auf der ganzen Strecke oben auf dem Dach! Der Zug fährt ja nicht schnell, es ist nur ziemlich wackelig.“ Die Füße wurden an einer Rinne abgestützt, zum Festhalten gab es nichts. Der Blick in die Landschaft war atemberaubend. Inzwischen wurde viel Geld in die Sicherheit dieser Bahnstrecke gesteckt. Man kann nicht einmal mehr ein Fenster im Panoramazug öffnen, zu gefährlich, weil die Felswände zum Greifen nah sind.

Ein weites grünes Tal mit Feldern und Kakteen kommt in Sicht. Hütten, in denen Bauern leben, Kühe, Schweine und Hunde laufen herum. Dann hat die Bahn den höchsten Punkt erreicht. Unten im Tal ist die Endstation Sibambe zu erkennen. Das Problem: Ab jetzt geht es fast senkrecht hinunter! Um die steile Felswand der Teufelsnase zu überwinden, wurden die Gleise fast parallel übereinander gelegt und durch zwei Spitzkehrenmiteinander verbunden. Dieser Abschnitt verlangt vom Zugführer viel Fingerspitzengefühl – und ein rechtzeitiges Einschreiten des „frenero“ – des Bremsers. Er hat die verantwortungsvolle Aufgabe, die Funktion der Bremsen zu überwachen, während sein Kollege den Zug im Zickzack hin- und zurücksetzt, um die Spitzkehren zu bewältigen. Ein Stückchen fahren, stoppen, dann auf das darunter liegende Gleis wechseln, stoppen, das nächst tiefere Gleis erreichen, stoppen, und so weiter. Alles in allem eine technische Meisterleistung, in die alle Mitreisenden wohl oder übel großes Vertrauen setzen müssen … 12 Kilometer und eine halbe Stunde Fahrzeit, dann hat der Zug den „Abstieg“ von 2.300 auf 1.800 Höhenmeter geschafft.

Etwas später stoppt der Zug. Zeit für Fotos und tiefe Seufzer der Erleichterung. Die Fahrt über die Teufelsnase ist und bleibt – trotz einiger technischer Neuerungen – die abenteuerlichste, legendärste und zugleich schönste Bahnstrecke Ecuadors …

Nariz del Diablo: Strecke, Fahrplan und Preise

  • Der Panoramazug (Strecke: Alausí – Sibambe – Alausí) über die Nariz del Diablo fährt dienstags um 8 Uhr und 11 Uhr, mittwochs bis sonntags um 8 Uhr, 11 Uhr und 15 Uhr.
  • Ein zweisprachiger Guide informiert die Reisenden während der Fahrt über die Geschichte der Bahn.
  • Die Abteile sind klimatisiert.
  • Weil der Zug in Sibambe für die Rückfahrt gewendet werden muss, haben die Reisenden Zeit, das kleine örtliche Museum zu besuchen; Eintritt und Führung sind im Fahrpreis inbegriffen. Außerdem zeigen Einheimische folkloristische Tänze.
  • Kosten: 25 USD p. P.
  • Dauer des Ausflugs: 2,5 Stunden.
  • Fahrten auf dem Dach sind nicht mehr möglich!

Diese Angaben sind ohne Gewähr – aktuelle Informationen bietet z. B. die Website www.ecuadorbytrain.com

Bildnachweis: Latin Trails

12.05.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Dachmitfahrt zur Teufelsnase in Ecuador (alter Zug)
© Latin Trails
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Gruppenreise Ecuador intensiv

Quito, Otavalo, Papallacta, Baños, Cuenca, Vilcabamba, Zaruma

Mythos Ecuador: Entdecken Sie mit uns eines der schönsten Länder Südamerikas, seine vielfältigen Naturlandschaften und seine unterschiedlichen Kulturen.

Highlights:
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  • Bunter Markt in Otavalo
  • Bahnfahrten Teufelsnase und Autoferro
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