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Antofallita: Wo zwei Menschen ein Dorf sind

Kerstin Veix‘ Reise durch die Puna, Teil 2: Zwischen Vulkanen, Steinwüsten, Lagunen und Salzseen

Ich begleite Kollegin Kerstin Veix immer noch – in Textform – auf ihrer Reise durch das Nichts im Nordwesten von Argentinien. Den 50-Einwohner-Ort Antofalla, wo sie den kleinen Jungen getroffen hat, der sich von dem Geld durch den Verkauf von Steinen einen Rucksack kaufen möchte, verlässt sie Richtung Tolar Grande. Nach etwa einer Stunde Fahrt im allradbetriebenen Pickup erreicht sie Antofallita. „-ita“, „-cita“, „-nita“ ist im Spanischen immer die Verkleinerung oder Verniedlichung vom Original. Wir haben zum Beispiel eine Kollegin Germaine, die wir auch gerne Germainecita nennen. Oder Antje – Antjecita oder Kerstin – Kerstincita … Bürohund Pipo wird allerdings zu Pipolino, aber das nur als kleiner Exkurs am Rande. Jetzt wieder zurück nach Antofallita – das kleine Antofalla.

Aber Antofallita ist nicht nur kleiner als Antofalla – sondern geradezu winzig. Zwei Menschen leben dort. Doña Carina und ihr Bruder. Beide weit über 60 Jahre alt. Wie schön, denkt man, wenigstens haben die beiden ja Gesellschaft in dieser unbeschreiblichen Einsamkeit der argentinischen Puna. Als Geschwister pflegen sie bestimmt eine enge, gute Beziehung, geprägt von gegenseitiger Hilfe und gemeinsamen Plaudereien am Abend nach getaner Arbeit …

Aber nein. So ist es mitnichten! Doña Carina und ihr Bruder haben sich vor mehr als 30 Jahren gestritten. Um die Quelle ging es, die auf dem Grundstück von Doña Carina liegt und die dieses Fleckchen Erde mit lebensnotwendigem Wasser versorgt. Und seit diesem Streit, also seit drei Jahrzehnten, haben die Geschwister nicht mehr miteinander geredet! Nur die Quelle, die beide nutzen, verbindet sie.

Antofallita - Im NichtsAls Kerstin fast Antofallita erreicht hat, ist sie fasziniert von dem ersten Blick, der sich ihr auf das „Dorf“ öffnet: Von einem der vielen steinigen Hügel, die sich in der vegetationsarmen argentinischen Puna mit Vulkanen, Steinwüsten, Lagunen und Salzseen abwechseln, blickt sie auf die Oase. Im ersten Moment denkt man lediglich an zwei kleine grüne Baumgrüppchen mitten im Nichts aus Steinen, Wüste und Sand. Beim genaueren Hinsehen erkennt man dazwischen jedoch Häuser und Tiere. Eine grüne Baumgruppe beschattet das Anwesen von Doña Carina, auf dem sie Schafe und Lamas hält und einen Gemüsegarten für den Eigenbedarf bewirtschaftet. Wenige hundert Meter rechts von ihr das Anwesen ihres Bruders, der nichts anderes tut.

Antofallita-OfenDie natürliche Quelle sorgt für Leben in dieser Steinwüste. Doña Carina hat ein kleines Flussbett geformt, so dass das kostbare Wasser auf geordnetem Weg und ohne Verlust zum Haus, vorbei am riesigen Lehmofen im Hof, zum Gemüsegarten und zu den Weiden gelangt.

Als Kerstin, die perfekt spanisch spricht, mit der Alten ins Gespräch kommt, erfährt sie von Doña Carinas Plänen für die nahe Zukunft. Zum einen habe sie jetzt einen Gehilfen auf der Farm. Der sei 30 Jahre alt und helfe ihr – in allen Dingen, berichtet die Alte mit einem schelmischen Zwinkern.

Antofallita-QuelleZudem hat Doña Carina vor, auf ihrem – Zitat: „schönen Land“ – ein kleines Hotel zu errichten. Denn sie selbst sei ja schon alt. Und was soll aus dem Fleckchen werden, wenn sie eines Tages nicht mehr da ist? Dann sollen sich doch andere wenigstens daran erfreuen können. Das sind zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ihre Ideen. Ideen, die in der wirtschaftlich abgeschlagenen Region bei den wenigen dort lebenden Menschen gut ankommen. Denn sie bedeuten Arbeitsplätze, wenn auch nur für vielleicht zwei Menschen: Ein Zimmermädchen und einen Koch. Doña Carina will mit ihrem Nachlass kein Geld verdienen, sondern nur ihr liebgewonnenes Lebenswerk weitergeben. Und vielleicht – so hofft man – spielt auch ihr Bruder bei ihren Zukunftsplänen eine Rolle …

Bildnachweis: Das erste Foto dieses Postings ist von Simon Heyes, mit freundlicher Genehmigung. Alle weiteren Bilder stammen aus der Kamera von Kerstin Veix.

17.11.2014Schlagwörter zu diesem Artikel

 
Landschaft in Antofallita in Argentinien
© Simon Heyes
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